Seelenverkäufer

In die kalten Wände
sind Zahlen geritzt
zu hoch die Wände, die Zeche
es reicht nicht
niemals reicht es.
Die Steine zerspringen
zu schwarzen Münzen –
davon wird niemandem warm

und in den Gassen
verbrennen sie Seelen
um sich zu wärmen
aber die Asche verdunkelt
die Nacht zur abstrusen Schwärze
darin keimt Gleichgültigkeit
treibt teilnahmslose Gedanken hervor
die wachsen heran zu kränkenden Worten
verteilt an die Armen
zu stopfen ihre hungrigen Mäuler
mit Demütigung und Schmach

wieder ist einer verhungert

für das Publikum
ist der Eintritt frei.

Tango

Rotwein funkelt im Glas
die Typen auf dem Tisch
tanzen diesen glattsamtenen Tango.

Im Nebel der bizarren Nacht
will ich endlich beherzt scheitern
inmitten der verschwenderischen Zeilen
liegt unendliche Liebe
die kostet mich nicht einmal
die Freiheit
verstreuter Unsinn ist auch dabei
ich lache schallend

dieser glattsamtene Tango ist mein.

Ein Gedicht

Zuletzt blieb sie leer
legte sich zwischen Buchstaben schlafen
träumte von Worten, die es nicht gab
und als sie erwachte
war sie ein Gedicht.

Er versuchte sie
zu lesen, Wort um Wort
sie lächelte, versteckt im
geheimen Sinn.
Er liebte sie trotzdem.

Im Restaurant

Auf abgeschlagenen Tellern
werden rote Rosen serviert
in der Küche, der Gashahn
offen die Türen, es zieht
fühlbare Leere
durch die Ritzen der Mauern
der Wein in den Gläsern gefriert.

Endlich, ein Liebeskuss zweier Menschen
treibt echte Tränen hervor
erst jetzt duften die Rosen
funkelt der samtige Wein
eine Tür fällt zu
hysterisches Lachen erschallt.

Wo stehst du?

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